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 ·  Andrea Wiese  · 

Motivation der Mitarbeiter – ein Erfolgskonzept oder völlig überbewertet?

Wie wichtig ist Motivation, was bringt sie und wie können wir sie beeinflussen?

MitarbeiterMotivationHerzbergZwei-FaktorenTheorieMotivation-Hygiene-TheorieTeam 0 Kommentare 24.07.2017

Manchmal ist es wie eine Seuche – ein unzufriedener Mitarbeiter stänkert ständig herum und verbreitet schlechte Stimmung. Sie als Chef fühlen sich hilflos und eigentlich haben Sie gar keine Zeit, sich darum zu kümmern. Schließlich geht es um den richtigen Service am Kunden. Ihre Maschinen müssen laufen, die Patienten versorgt werden, Ihre Klienten betreut werden, neue Produkte entwickelt und vor allem müssen Sie wettbewerbsfähig bleiben und die Zukunft Ihres Unternehmens und Ihrer Mitarbeiter sichern.

Verschiedene Studien messen die Motivation der Arbeitnehmer in regelmäßigen Abständen und kommen zu besorgniserregenden Ergebnissen. So zeigte eine Gallup Studie aus dem Jahr 2011, dass 70 % der vollzeitbeschäftigten Mitarbeiter ihren Job hassen und bereits innerlich gekündigt haben. 

Die Zahlen der Gallup Studie aus dem Jahr 2015 für Deutschland zeigen, dass 16 von 100 Arbeitnehmern keine emotionale Bindung zum Unternehmen haben. 68 schätzen ihre Bindung als gering ein.

Mögliche Folgen dieser fehlenden Bindung sind hohe Krankenstände, hohe Fehlerquoten, verspätete Lieferungen, fehlende Eigeninitiative und Loyalität für Unternehmen und können in Euro zu ermittelt werden. Gallup beziffert den volkswirtschaftlichen Schaden aufgrund innerer Kündigung auf 75,6 bis 99,2 Milliarden Euro jährlich.

Die Konsequenzen dieser Zahlen sind weitreichend und werfen die Frage auf, wie die Motivation der Mitarbeiter positiv beeinflusst werden kann. 

Doch was ist Motivation? Und was beeinflusst sie positiv oder negativ? Sind es Geld, Lob, Kritik, Ziele, gemeinsame Erlebnisse, Transparenz und Sicherheit?

Eine mögliche Definition der Motivation sagt, dass dies die Kraft ist, die der einzelne nutzt um Ziele zu erreichen und zeigt sich in drei verschiedenen Ausprägungen:

  1. Was jemand tut (die Ausrichtung)
  2. Wie hart jemand arbeitet (die Intensität)
  3. Wie lange jemand arbeitet (die Ausdauer)

Betrachten wir verschiedene Einflussfaktoren der Motivation und wie diese zur Steigerung des Unternehmenserfolgs genutzt werden können. 

Frederick Herzberg, ein angesehener US-amerikanischer Professor der Arbeitswissenschaft und klinischen Psychologie hat 1959 die sogenannte Zwei-Faktoren Theorie entwickelte. Diese Theorie ist auch als Motivation-Hygiene-Theorie bekannt. Die Hygienefaktoren dieser Theorie beziehen sich auf den Kontext der Arbeit. Dazu zählen zum Beispiel Entlohnung und Gehalt oder die Arbeitsbedingungen. Die Motivationsfaktoren zielen auf den Inhalt der Arbeit ab. Dazu zählen Merkmale wie Herausforderung und Anerkennung. 

Gemäß dieser Theorie müssen beide Faktoren ineinandergreifen, um ein hohes Motivationslevel bei den Mitarbeitern zu erreichen. Ein Faktor alleine ist laut Herzberg nicht ausreichend.

So argumentiert Herzberger, dass positive Hygienefaktoren die Entstehung von Unzufriedenheit verhindern, aber keine umfängliche Zufriedenheit erzeugen können. Sie werden in der Regel als selbstverständlich betrachtet. Erst wenn sie gar nicht vorhanden sind, werden sie als Mangel empfunden. 

Hingegen beeinflussen nach Herzberg die Motivatoren zur Leistung selbst und kommen aus dem Arbeitsinhalt. Sie sind es, die die Zufriedenheit verändern. 

Dies wird deutlich, wenn wir uns eine Waage vorstellen. Auf der einen Seite liegen die Dinge, die jeder einzelne in seinen Job als Input gibt. Dies sind Fähigkeiten, Zeit und Leistung. Dem gegenüber steht, was jeder einzelne aus seinem Job ziehen kann. Diese sind Dinge wie Anerkennung, Befriedigung, Verantwortung und ein gutes Gefühl.

Sobald diese Waage über einen längeren Zeitraum im Ungleichgewicht ist, werden Menschen unzufrieden und suchen nach Möglichkeiten, die Waage ins Gleichgewicht zu bringen.

In einem Unternehmen erzeugt die Kombination von Hygiene- und Motivationsfaktoren vier unterschiedliche Situationen:

HygienefaktorenMotivationsfaktorenSituation
HochHochDies ist die ideale Situation – die Mitarbeiter sind hoch motiviert, die Anzahl der Beschwerden gering.
HochGeringObwohl die Mitarbeiter schlecht motiviert sind, beschweren sie sich kaum (Söldner-Mentalität)
GeringHochDie Mitarbeit sind hoch motiviert, beschweren sich aber häufig. Eine Möglichkeit ist, dass der Job herausfordernd ist, die Arbeitsbedingungen aber nicht gut sind.
GeringGeringDies ist die schlechteste Situation. Die Mitarbeiter sind unmotiviert und beschweren sich oft.

Motivation stellt sich demnach nicht als eine einfache „mehr Gehalt- mehr Motivation“ Angelegenheit dar. Die Sachlage ist viel komplexer und vielschichtiger.

Ich kann dieser Aussage aus vollem Herzen zustimmen. Die Auswirkung einer Gehaltserhöhung auf die Motivation ist, wenn überhaupt dann nur kurzfristig messbar. Zur nachhaltigen Motivation bedarf es weiterer Aspekte.

Was motiviert einen Menschen, die Anstrengung auf sich zu nehmen und einen Berg zu besteigen? Warum steht er morgens früh auf, packt seinen Rucksack und zieht los in Richtung Gipfelkreuz? Ich bin eine leidenschaftliche Wanderin und kann diese Frage aus meiner Sicht folgendermaßen beantworten:

Mich reizt das Ziel, den Gipfel zu erklimmen, das Gefühl dort oben zu stehen und es geschafft zu haben. In diesem Moment sind für mich alle Anstrengungen der Tour vergessen. Die Vielfalt einer solchen Wanderung empfinde ich als unglaublich inspirierend. Auf dem Weg zum Gipfel zeigen sich immer neue Ausblicke auf die Natur und die Landschaft. Ich identifiziere mich mit meiner Aufgabe des Wanderns, der Bewegung in der freien Natur, dem Erlebnis eines Picknicks und dem Gefühl der Unabhängigkeit und Freiheit. Beim Wandern mit meiner Familie oder Freunden genieße ich die Möglichkeiten des Austauschs und des Gespräches. Mich motiviert die Resonanz der anderen aus der Gruppe.

Neben den Überlegungen von Herzberger sind Ziele wichtig für die Motivation des Einzelnen als auch einer Gruppe. 

Dies bedeutet im Einzelnen:

  1. Klares Ziel definieren
    Ich möchte die „Drei-Täler-Wanderung“ durchführen
  2. Identifikation mit dem Ziel erreichen
    Warum möchte ich das tun? Was passiert, wenn ich es nicht tue? Ich möchte einen Ausgleich für meine überwiegende Kopfarbeit schaffen, die Landschaft erleben, Ausblicke genießen, die sportliche Herausforderung meistern
  3. Regelmäßige Kontrolle der Zielerreichung
    Für wann ist die Wanderung geplant, wurde sie durchgeführt oder musste sie auf Grund des Wetters oder aktuellen Motivation verschoben werden. Was war ansonsten hinderlich? Was hat mich dazu bewogen, andere Dinge an diesen Tagen zu tun?
  4. Regelmäßig Rückmeldungen geben und erfahren
    Andere Menschen um mich herum an meinem Ziel, an meinen Erfolgen und auch Schwierigkeiten teilhaben lassen. Der Austausch mit anderen gibt mir eventuell neue Ideen oder zeigt mir, dass nicht nur ich Schwierigkeiten habe meine Vorsätze zu erfüllen.

Falls Sie sich mehr Motivation für sich oder Ihr Team wünschen, unterstützen wir Sie gerne. Oft hilft ein objektiver Blick von außen. In einem unverbindlichen Gespräch schauen wir uns Ihre inpiduelle Situation an und überlegen gemeinsam, wie Ihr Weg zu mehr Motivation, Kundenzufriedenheit und somit Unternehmenserfolg aussehen kann.


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