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 ·  Bettina Thelen  · 

Die Unternehmensvision- Überflüssiges Geschwafel oder wichtig für den Unternehmenserfolg?

Was verbirgt sich eigentlich hinter dem Begriff „Vision“? Welche Bedeutung hat die Vision für ein Unternehmen und für die Mitarbeiter? Ist die Formulierung einer Unternehmensvision tatsächlich ein wirtschaftlicher Erfolgsfaktor?

VisionErfolgRichtungZukunftNutzenEhrgeizMotivation 1 Kommentare 24.03.2017
Ein Bekannter sagte neulich zu mir, „Wenn du eine Vision hast, dann geh besser zum Arzt!“ Dem Begriff Vision haftet oft ein eher mystisches fast schon esoterisches Image an. Vision klingt nach Träumerei, nach Spinnerei, nach Utopie. Warum Visionen trotzdem ihre Berechtigung in der Unternehmenswelt haben und jedes Unternehmen eine Vision formulieren und allen Mitarbeitern kommunizieren sollte!
Taschenrechner, Müsliriegel, Sonnenbrillen mit UV-Schutz, Klettverschluss und der Tetra Pak – Fragen Sie sich gerade, was diese Produkte mit einer Vision zu tun haben? Diese, mittlerweile alltäglichen Dinge, wurden im Zuge des Apollo- und Space-Shuttle Programms der NASA entwickelt. Getrieben vom Wettkampf mit der Sowjetunion, welcher Nation als erste eine gezielte und bemannte Landung auf dem Mond glücken sollte, sprach John F. Kennedy im Jahre 1961 folgende Vision aus: 

„I believe that this nation should commit itself to achieving the goal, before this decade is out, of landing a man on the moon and returning him safely to the earth.“
„Ich glaube, diese Nation sollte sich selbst das Ziel setzen, vor Ende dieses Jahrzehnts einen Menschen auf dem Mond zu landen und ihn sicher zur Erde zurückzubringen.“
Die USA gewannen bekanntlich diesen Wettbewerb, als am 21. Juli 1969 Neil Armstrong den legendären Satz vom großen Schritt für die Menschheit aussprach. 
Am Ende des Jahrzehnts war es den Amerikaner gelungen, einen Mann sicher auf den Mond zu bringen und sicher wieder zur Erde zurück. Im heutigen Zeitalter erscheint uns dieser Moment der Menschheitsgeschichte als nicht besonders. Wir haben heutzutage Fotos vom Mars und von der Venus gesehen. Doch Anfang der 60er Jahre war die Vision Kennedys sehr gewagt und utopisch.

Jedoch der Wettbewerb wurde gewonnen, weil die gesamte NASA mit all ihren Mitarbeitern acht Jahre lang mit Hochdruck und Motivation am Projekt Apollo arbeiteten. 10 Apollo Flüge und herbe Rückschläge waren nötig, bevor Apollo 11 sicher auf dem Mond landete. Aus einer Vision- einen Mann auf den Mond zubringen und sicher wieder zurück- war Realität geworden. 

Wäre es der NASA auch geglückt, wenn Kennedy diese Vision 1961 nicht ausgesprochen hätte? Würden wir heute trotzdem Müsliriegel essen, unsere Milch aus Tetra Paks trinken und Taschenrechner nutzen? Eventuell wären diese Erfindungen zu einem späteren Zeitpunkt auch ohne die Forschung der NASA entwickelt worden.  
Halten wir fest: Aus einer Vision, einer utopischen Annahme für die Zukunft, wurde einer der weltverändernden Momente.  

Visionen verändern und beeinflussen Unternehmen und ihre Mitarbeiter. Sie geben die Richtung vor. Wohin soll es gehen? Was wollen wir in Zukunft erreichen? Wofür steht unser Unternehmen? Gemeinsame Ziele führen zu Loyalität und Solidarität. Der Ausdruck „Gemeinsam an einem Strang ziehen“ beschreibt die Wirkung einer Vision prägnant und einleuchtend. Die Arbeitskraft wird an einem Ende gebündelt und in eine Richtung gezogen, statt an mehreren Stellen in unterschiedliche Richtungen zu ziehen. 

Visionen schaffen eine emotionale Bindung zwischen Unternehmen und Mitarbeitern. Sie geben der täglichen Arbeit einen tieferen Sinn. Jeder Mitarbeiter weiß, dass sein Engagement und seine Arbeitskraft dazu beitragen, etwas Großes und Wichtiges zu schaffen. Es geht nicht nur darum, die Maschine zu bedienen, Emails zu bearbeiten oder Patienten durchzuschleusen. Jeder Arbeitsschritt trägt dazu bei, der Vision ein Stück näher zu kommen, das Unternehmen für die Zukunft aufzustellen und damit den eigenen Arbeitsplatz, die eigenen Chancen und Bedingungen zu verbessern und auszubauen. Abgesehen von der eigenen Motivation und Freude an der Arbeit ist eine hohe emotionale Bindung zwischen Mitarbeiter und Arbeitgeber auch ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor. 

Das Beratungsunternehmen Gallup führt seit 2001 regelmäßig Befragungen zur emotionalen Bindung von Mitarbeitern zu Unternehmen durch. Dabei wurde festgestellt, dass Mitarbeiter in drei Gruppen zu unterteilen sind. Die erste Gruppe hat keine emotionale Bindung zu ihrem Arbeitgeber. Gallup spricht dabei von „einer innerlichen Kündigung“. Die zweite Gruppe hat eine geringe emotionale Bindung. Hier ist der „Dienst nach Vorschrift“ der Leitgedanke der Mitarbeiter. Die dritte Gruppe hat eine starke emotionale Bindung. Diese Mitarbeiter empfehlen ihre Arbeitgeber zu 77% weiter, während Mitarbeiter der ersten Gruppe dies nur zu 5% tun. Die Empfehlung führt zum einen zur Gewinnung von neuen Mitarbeitern und Fachkräften und zum anderen zur Gewinnung von neuen Kunden. Diese emotional stark gebundenen Mitarbeiter werden zu Botschaftern des Unternehmens. Eine bessere Marketingstrategie kann es kaum geben!

Visionen sind scheinbar nicht nur überflüssiges Geschwafel. Um sie erfolgreich zu formulieren sollten Visionen:

1. Die Richtung für die Zukunft vorgeben
2. Einen Nutzen formulieren
3. Ehrgeizig sein
4. Einfach formuliert und leicht verständlich sein
5. Motivieren

(Quelle: Schüller, A. und Dumont, M.: Die erfolgreiche Arztpraxis; 4. Auflage von 2013: Springer Verlag, Heidelberg-Berlin.)

Die aktuelle Vision der NASA spiegelt diese fünf Punkte sehr gut wieder:

„To improve life here. To extend life to there. To find life beyond.“
„Das Leben hier zu verbessern, das Leben nach draußen auszudehnen und Leben da draußen zu finden.“

Die Richtung ist klar. Es geht Richtung Zukunft, in unerforschte Welten und Universen. Der Nutzen ist ebenfalls formuliert, das Leben hier auf der Erde soll verbessert werden. Die Vision ist ehrgeizig, da es bis zum jetzigen Zeitpunkt keinen konkreten Hinweis auf ein Leben „da draußen“ gibt. Die Formulierung ist einfach formuliert und für jeden verständlich und sie motiviert die Mitarbeiter der NASA vielleicht der erste Mensch zu werden, der einen konkreten Hinweis auf ein außerirdisches Leben findet oder im Rahmen seiner Forschung Dinge entwickelt, die das Leben auf der Erde, im hier und jetzt verbessert.  

Visionen sind wichtig. Für jeden Menschen und für jedes Unternehmen. Denn nur wer nach den Sternen greift, bekommt die Chance diese auch erreichen zu können. 


Tags: VisionErfolgRichtungZukunftNutzenEhrgeizMotivation

1 Kommentare

25.03.2017 - 12:06 Uhr

Chris

http://basisweb.de

Die Vision als Motivationsmittel ist sicher richtig, was aber oft schwierig ist, ist die Vision auch realistisch zu gestalten. Sonst endet das in Ressourcenverschwendung. Hätte Kennedy die Vision geäußert, bis zum Ende des Jahrzehnts Menschen auf alle Planeten zu bekommen, wäre es wohl etwas eng geworden.


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