• church3

 ·  Bettina Thelen  · 

Stressmanagement in Unternehmen - was Krankenkassen und externe Berater für Ihr Unternehmen und Ihre Mitarbeiter tun können

Stress, Depression, Burnout – immer mehr Menschen sind im Hamsterrad der psychischen Belastungen gefangen. Doch es gibt einen Ausweg. Auslöser und Ursachen, die Stress und Überforderung im Unternehmen verstärken, können im Rahmen eines Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) identifiziert und behoben werden.

BGMGesundheitsmanagmentBurnoutBeratungAnalyseAuswertungUmsetzungEvaluationKrankenstandKrankenkasse 0 Kommentare 30.08.2017

Zuschüsse oder Bonusprogramme von Seiten der Krankenkassen, die gesundheitsfördernde Maßnahmen bezuschussen, kennen wir alle aus unserem Privatleben. Yoga-, Fitness- oder Ernährungskurse, das Spektrum an Kursen, die uns und unserer Gesundheit guttun, ist recht groß. Dieser Service wird gerne in Anspruch genommen – es geht schließlich um die eigene Gesundheit. 

Zwar sind 80 % aller Personalverantwortlichen davon überzeugt, dass ein Betriebliches Gesundheitsmanagement wichtig ist (vgl. Betriebliches Gesundheitsmanagement, Springer Verlag, 2016). In der Umsetzung scheitert es jedoch meist daran, dass das Tagesgeschäft des Unternehmens an erster Stelle steht. Kleine und mittelständische Unternehmen haben zudem das Problem, dass sie über wenig bis keine personellen und finanziellen Ressourcen verfügen, um nachhaltig Prozesse, Arbeitsabläufe und Strukturen gesundheitsfördernd zu gestalten.

Können Sie sich einen Ort vorstellen, an dem Sie die Schauspielerin Reneè Zellweger, den Rapper Eminem, die Schlagersängerin Michelle und den TV Koch Tim Mälzer vertieft in einem Gespräch antreffen könnten? Ich spreche nicht von einer Samstagabend-Show.  Nein, diese Promis könnten sich in einer Selbsthilfegruppe von Burnout-Betroffenen treffen. Burnout - was hat dies mit BGM zu tun?

Fragen Sie im Bekannten- oder Familienkreis einmal nach, wer und warum sich jemand in seinem Job unwohl fühlt. Die Antwort wird meistens lauten: Stress! Stress mit dem Chef und den Kollegen. Stress, weil das E-Mail - Postfach mal wieder überquillt oder Stress, weil die Maschine mal wieder fehlerhafte Produkte ausspuckt. Das Wort Stress ist mittlerweile zu einem alles erklärenden Ausdruck geworden, wenn Situationen im Berufsalltag uns überfordern. Halten Überforderungen über einen längeren Zeitraum an, dann zieht der Körper die Notbremse und streikt. Die Diagnose lautet dann: Burnout!

Psychische Erkrankungen, von denen Burnout eine mögliche Diagnose ist, sind für viele Menschen abstrakt und nicht greifbar. Häufig sind psychische Erkrankungen mit einem Tabu belegt - der Betroffene will nicht als „verrückt“ oder als nicht leistungsfähig eingestuft werden. Hingegen werden körperliche Überforderungen leichter verstanden und akzeptiert, sowohl von den Betroffenen als auch von seinem Umfeld.

Stellen Sie sich folgende Situation vor: Jemand erzählt ihnen, dass er gerne an einem Marathonlauf teilnehmen möchte. Er hat dafür vorher nicht trainiert. An Kilometer sechs bricht er schließlich zusammen. Mit Blasen an den Füssen, schweren Beinen und nach Luft japsend ist der Kreislauf kollabiert. Wir verstehen sofort, dass dieses Unterfangen nicht funktionieren konnte. Der Läufer hat seine Muskeln, seine Organe und seinen Kreislauf nicht trainiert und vorbereitet. Er hat sich und seinen Körper überfordert.

Schwieriger wird es für die meisten Menschen, wenn jemand von schlaflosen Nächten erzählt, von Gedankenkarussellen, die sich nicht aufhören wollen zu drehen oder von der Angst berichtet, seine Aufgaben am nächsten Tag nicht erfüllen zu können. Diese Anzeichen können auf eine psychische Überforderung hinweisen, die sich schrittweise zu einer psychischen Erkrankung, wie zum Beispiel Depressionen oder das Burnout-Syndrom entwickeln. 

Der Gesundheitsreport des BKK Dachverbandes zeigt, dass diese Phänomene längst Einzug in deutsche Unternehmen gehalten haben (www.bkk-dachverband.de/publikationen/bkk-gesundheitsreport/).

Von 1995 bis 2015 hat sich die Anzahl der Arbeitsunfähigkeitstage auf Grund von psychischen Erkrankungen verdoppelt. 15 % beträgt der Anteil der Arbeitsunfähigkeitstage, die auf Grund von psychischen Erkrankungen verordnet werden. Das ist Platz drei hinter den Muskel-Skelett - Erkrankungen und den Atemwegserkrankungen. 

Bemerkenswert ist, dass die Ausfallzeit eines Arbeitnehmers, wenn er an einer psychischen Erkrankung leidet, im Schnitt bei 36 Tagen liegt – das sind mehr als sechs Wochen. Menschen, die auf Grund einer Tumorerkrankung krankgeschrieben werden, fallen für eine Dauer von durchschnittlich 28,4 Tagen aus. 

Dies ist mit Kosten für Unternehmen, Krankenkassen und den Betroffenen verbunden. Die Kosten, die Unternehmen entstehen, unterteilen sich in

  • Unmittelbare Personalkosten (Lohnfortzahlung, Zuschuss zum Krankengeld ab der 6. Woche, Zuschüsse zu Kuren und Heilverfahren)
  • Mittelbare Personalkosten (Kosten für Mehrarbeit)
  • Sonstige Kosten (Terminüberschreitung, nicht genutzte Kapazitäten, Produktivitätsausfall, Beschaffung von vertretendem Personal, Nacharbeiten im Fall von mangelhafter Qualität der Erzeugnisse, Verlust von Kunden)

Bereits 2009 ermittelten Thomas Günther und Carsten Albers die Kosten je Ausfalltag als entgangene Wertschöpfung in Höhe von 223 € bis 1.519 € (Quelle: „Kosten und Nutzen des betrieblichen Arbeits-und Gesundheitsschutzes“ aus Controlling, 21. Jg. (2009), Heft 7, S. 388 – 395).

Wie ist diese Entwicklung einzuschätzen? Gibt es Gründe für den stetigen Anstieg von Arbeitsunfähigkeitstagen auf Grund von psychischer Krankheiten? 

Experten vom Bundesamt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin machen dafür verschiedene Auslöser verantwortlich. Schlagwörter wie Globalisierung, Digitalisierung, Flexibilität und Mobilität haben den Arbeits- und Berufsalltag nachhaltig verändert. Unternehmen und ihre Mitarbeiter müssen immer schneller und effizienter auf Veränderungen, Wettbewerbssituationen und Innovationen reagieren, um am Markt bestehen zu können. Diese Steigerung der Schnelligkeit und Effizienz führt bei vielen Mitarbeitern zu einer gesteigerten Arbeitsintensität. Termin- und Leistungsdruck, nicht eingehaltene Pausen- und Ruhezeiten registrieren bereits die Hälfte aller Mitarbeiter.

Durch den stetigen Ausbau der Vernetzung sind viele Mitarbeiter in der Lage, auch am Wochenende Zugriff auf das Betriebs- und Emailsystem des Unternehmens zu erhalten. Dies führt laut Experten zu einer „Entgrenzung der Arbeitszeiten“. 

Diese Auslöser können bei vielen Menschen zu Überforderung führen, was schließlich in einer psychischen Erkrankung und einer längeren Ausfallzeit mündet und enorme Kosten für das Unternehmen verursacht.

Um diesem Trend vorzubeugen, bieten einige Krankenkassen inpiduelle BGM-Konzepte zur Prävention von psychischen Erkrankungen an. 

Diese Konzepte haben nichts mit einmal jährlich stattfindenden Gesundheitstagen zu tun, bei denen die Mitarbeiter ihren Blutdruck messen und u.a. in der Kantine vegetarische Schnitzel serviert bekommen.

Die meisten Krankenkassen, wie zum Beispiel die actimonda, streben ein nachhaltiges und strukturiertes BGM in den Unternehmen an, dass mit den Kernthemen wie zum Beispiel Unternehmenskultur, Führungsverhalten und Veränderungsmanagement verbunden wird. Dabei kooperieren immer mehr Krankenkassen mit externen Dienstleistern wie INDETALENTE. Kooperation bedeutet, dass die Krankenkassen eng mit externen Beratern zusammenarbeiten, um ein passgenaues, effizientes und ressourcenschonendes BGM in den Unternehmen zu etablieren. Was die meisten Unternehmen nicht wissen ist, dass die Krankenkassen die Unternehmen nicht nur mit ihrem Fachwissen und Kompetenzpartnern unterstützen, sondern auch die Kosten der externen Berater unter bestimmten Voraussetzungen übernehmen.  

Obwohl der Prozess zur Einführung eines nachhaltigen BGM nach einem bewährten Standard initiiert wird, sollten Unternehmen, Krankenkassen und Berater die inpiduelle Situation eines jeden Unternehmens in den Vordergrund stellen, da jedes Unternehmen und die Mitarbeiter in diesem Unternehmen einzigartig sind, mit inpiduellen Prozessen, Strukturen, Bedürfnissen, Sorgen und Möglichkeiten.

Dieser Prozess läuft in fünf Phasen ab:

Zahlreiche Studien belegen, dass durch nachhaltig und strukturierte gesundheitsfördernde Maßnahmen, der Krankenstand und –kosten um durchschnittlich 30 % in einem Unternehmen gesenkt werden kann (s. iga.report , Nr.28). 

Die Erfolge eines betrieblichen Gesundheitsmanagements liegen nicht nur in der Reduzierung des Krankenstandes und der damit verbundenen Kosten, sondern auch bei Kosteneinsparungen durch:

  • vermiedene Betriebsstörungen 
  • vermiedener Ausschuss
  • geringere Nacharbeit
  • nachhaltige Qualitätsorientierung
  • verbesserte Produktqualität
  • Wertzuwachs durch gestiegene Motivation und Mitarbeiterzufriedenheit

Gemäß einer PwC Studie erzielt jeder Euro, der in Präventionsmaßnahmen investiert wird, einen Gewinn von fünf bis sechzehn Euro.  

Um ein betriebliches Gesundheitsmanagement wirklich erfolgreich und nachhaltig in einem Unternehmen etablieren zu können, sollte den Führungskräften und Entscheidungsträgern bewusst sein, dass der beschriebene Prozess nicht in einem oder zwei Monaten abgewickelt ist. Die Einführung eines nachhaltigen BGM ist als ständiger Prozess im Unternehmen zu sehen, der stark mit der Unternehmenskultur verbunden werden sollte. 

Der Aufwand lohnt sich. Unternehmen mit einer starken BGM-Kultur verfügen nicht nur über loyale, zufriedene und gesunde Mitarbeiter, sondern sie erhöhen auch die Attraktivität als Arbeitgeber für zukünftige Mitarbeiter. In Zeiten des Fachkräftemangels ein nicht zu vernachlässigender Aspekt.  


Tags: BGMGesundheitsmanagmentBurnoutBeratungAnalyseAuswertungUmsetzungEvaluationKrankenstandKrankenkasse

0 Kommentare


Schreibe einen Kommentar zu diesem Artikel Ihre E-Mail - Adresse wird nicht veröffentlicht.


Unangebrachte oder beleidigende Kommentare und Kommentare mit strafrechtlich relevantem Inhalt werden durch den Administrator gelöscht.